Bundestags-Nachrücker Gerhard Zickenheiner: Hammelsprung statt Ziegenstall


Seit gestern Mittag weiß ich´s: ich bin Nachrücker für Gerhard Schick im Bundestag.
Ich freue mich riesig auf die kommenden Herausforderungen, bin gespannt und … ehrfürchtig.
Das ist ein Erfolg, der auf einem wunderbaren Wahlkampf aufbaut, an dem so viele Menschen in der Region aktiv teilgenommen haben, denen ich hier noch einmal danken möchte. Es war ein extrem spannendes Jahr, an das ich sehr gerne zurückdenke. Wir haben das toll zusammen gerockt!
Und ich freue mich, für diese wunderbare Region nach Berlin zu gehen: Wer mich kennt, weiß, wie verbunden ich dieser, meiner Heimat bin.
Es macht ein bisschen traurig, wenn man den Platz eines sehr guten Politikers übernimmt, der zwölf Jahre lang auf sehr hohem Niveau für eine gerechte und ökologische Finanzpolitik gekämpft hat. Er hat meinen vollen Respekt und mein Verständnis dafür, dass er seine Vorstandschaft in der Bürgerbewegung Finanzwende überparteilich angehen will und sich deshalb aus dem Bundestag zurückzieht.

Quelle: Facebook am 13.09.2018

 

Atemlos in den Bundestag: Als der grüne Landtagsabgeordnete Josha Frey zum Telefon griff, hatte der Lörracher Architekt Gerhard Zickenheiner gerade den Gipfel erreicht. Den Gipfel des Zeller Blauens, und er war völlig außer Puste. „Ich wäre fast umgefallen.“ Immerhin hatte Parteifreund Frey eine überraschende Nachricht: Ab Januar sitzt Zickenheiner für die Grünen im Bundestag. Damit hat Südbaden nach Kerstin Andreae nun einen zweiten Vertreter in Berlin. Auf Platz 13 der Landesliste war Politik-Neuling Zickenheiner, der seit 2014 im Lörracher Kreistag sitzt, 2017 ganz knapp am Einzug in den Bundestag gescheitert. Nun hat der Mannheimer Finanzexperte Gerhard die „Bürgerbewegung Finanzwende“ gegründet und steigt aus der Politik aus. Der verblüffte Lörracher ist nun als erster Nachrücker zum Zuge gekommen. Dass er von dieser Nachricht ausgerechnet am Zeller Blauen erfahren hatte, ist nur ein bisschen Zufall: Gemeinsam mit seiner Frau baut er dort die St. Bernhardshütte zu einer Ziegenfarm um, die ersten Tiere sind schon aus St. Märgen umgezogen – in sechs Wochen wollte Zickenheiner nachfolgen. Nun heißt es Abstimmen per Hammelsprung statt Ausmisten im Ziegenstall. „Das ändert alles, ich war zunächst schon erschrocken.“ Doch auch wenn die gemeinsame Lebensplanung nun völlig über den Haufen geworfen wird, habe er keine Sekunde über eine Absage nachgedacht. „Das war ja, was ich im Herbst wollte, und ich freue mich riesig auf die Aufgabe.“ Einbringen möchte er, wie er schon im Wahlkampf erklärte, seine Kompetenz bei den Themen Wohnen, Bauen, ländlicher Raum und Mobilität – und mit Freude nimmt er zur Kenntnis, dass das Thema Wohnen auf der politischen Agenda ganz nach oben gerutscht ist. Auch bei den Grünen, für die es mit Konflikten in ihrer ökologischen Seele verbunden ist. Schon jetzt ist Zickenheiner Mitglied der parteiinternen Arbeitsgruppe Bauen, Planen, Wohnen, die sich prompt kommende Woche in Berlin trifft. Dass passt doppelt, denn Zickenheiner muss in der Hauptstadt Wohnraum suchen. Für sich selbst und seine Frau, die mit ihm zwischen Lörrach, Berlin und ihrem Hof in St. Märgen pendeln wird. Die Ziegenvorhut kommt dann wohl wieder dorthin zurück und die Hütte am Blauen wird vielleicht verpachtet.

Zuerst erschienen in Der Sonntag vom 16.09.2018. Geschrieben von René Zipperlin

 

Gerhard Zickenheiner von den heimischen Bündnis-Grünen zieht doch noch in den Deutschen Bundestag ein. Er rückt für den Mannheimer Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Fraktion, nach. Dieser wird zum Jahresende sein Mandat niederlegen.

Zickenheiner reagierte auf diese Nachricht im Gespräch mit unserer Zeitung ein wenig zwiespältig. Zu seinem Vorgänger, den er als „großartigen Finanzpolitiker“ schätze, meinte er, dessen Entscheidung sei „konsequent und richtig“. Schick gründet in Berlin eine unabhängige „Bürgerbewegung Finanzwende“ und übernimmt deren Vorsitz, weshalb er auch das Parlament verlässt.

Zu seinem Nachrücken meint Zickenheiner, es käme aus privater Sicht etwas zur Unzeit, da er gerade eine Ziegenfarm in Zell-Adelberg aufbaut. Trotzdem freue er sich „riesig“, weshalb er das Mandat auch gerne annehmen wird. Er ist politisch seit 2014 im Lörracher Kreistag aktiv, sowie in seiner Partei als Mitglied der Arbeitsgruppe „Planen–Bauen–Wohnen“. auf Landes- und Bundesebene. In dieser Funktion hat er auch gerade zusammen mit anderen einen entsprechenden Leitantrag für den kommenden Landesparteitag formuliert. Er denkt zudem, dass er als studierter Architekt in der Bundestagsfraktion der Bündnis-Grünen „sicher wohl aufgenommen“ wird

Bei der jüngsten Bundestagswahl im vergangenen Jahr war Zickenheiner nur knapp gescheitert. Er erhielt damals das landesweit achtbeste Ergebnis.

 

Zuerst erschienen in der Oberbadischen Zeitung am 12.09.2018. Geschrieben von Ulf Körbs

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